Donnerstag, 25. November 2010

Kulturspecial - Kunst gegen Bares 19.11.2010





Nicht jeder kann sich für Kunst und Kultur begeistern, doch für jeden Neuling gibt es immer einen passenden Einstieg und dieser heißt in Mannheim Kunst gegen Bares.
Was ist Kunst gegen Bares?
Diese wunderbare Idee stammt ursprünglich aus Köln. Das Konzept wurde von Gerd Buurmann entwickelt, das am 7. Januar 2008 das erste mal im Severins- Burgtheater in Köln stattfand.
Mittlerweile gibt es Kunst gegen Bares nicht nur in Köln, sondern auch in Hamburg, Berlin und seit kurzem auch in Mannheim.


Konzept:

Das Ziel der Kunst Gegen Bares ist es, die Beziehung zwischen Publikum und Künstler dergestalt zu intensivieren, dass das Publikum in seiner Funktion als zahlender Chef bestärkt wird. In der Kunst Gegen Bares sollen Kunst und Kapital unmittelbar aufeinandertreffen, indem folgende Regeln beachtet werden:
  1. Es gibt keinen eigenen Künstlereingang, Zuschauer und Künstler kommen den gleichen Weg und sitzen zusammen im Publikum.
  2. Die Künstler werden aus dem Publikum von der Moderation auf die Bühne geholt.
  3. Die Präsentationszeit muss für alle Künstler gleich beschränkt sein.
  4. Jeder Künstler erhält nach der Präsentation ein Sparschwein.
  5. Das Publikum wird aufgefordert, die erlebte Kunst durch Geldeinwurf in die jeweiligen Sparschweine zu honorieren.
  6. Das Geld in den Sparschweinen geht zu 100 % an die Künstler.
  7. Der Künstler oder die Künstlerin mit dem meisten Geld wird zum "Kapitalistenschwein des Abends" gekürt




Ja und fand zum zweiten mal statt, wieder in Mannheim, wieder im Cineplex, wieder an einem Freitag, wieder mit dem Veranstalter und Moderator des Abends Jens Wienand. Die charmante Co- Moderatorin war Michaela Wienand, wie er so schön betonte, nicht seine Ehefrau, sondern seine Schwester. Acht Künstler versammelten sich im Cineplex und stellten 10 Minuten lang ihre Form von Kunst vor. Gesucht wurde, wie es in den Regeln steht, das Kapitalistenschwein des Abends. Ich war für euch dabei und habe einiges zu erzählen.




Es ist 20 Uhr als die Türen zum Kino 8 geöffnet wurden, die Veranstaltung war restlos ausverkauft und die Künstler einigermaßen nervös. Nach dem alle Platz nahmen und einige noch vorgerückt sind, da einige sich dachten, sie kaufen sich Tickets und erscheinen dann doch nicht (ich muss dazu sagen, wer nicht will hat Pech gehabt, denn die haben einiges verpasst), kam auch schon die erste Künstlerin auf die Bühne.
Die Künstlerin hieß Maria Xenia und kam aus Freiburg. Sie las einen Poetry Slam Text vor, erzählte kurz davor, dass sie erst seit einem Jahr an Poetry Slams teilnimmt, doch man merkte es ihr nicht an. Sie mit ihrem Text, gehörte zu den besten Künstlern an diesem Abend, denn nicht nur das ihr Text lustig war, er war auch ungewöhnlich bewegend, mitreißend und Herz erweichend. Sie füllte ihre 10 Minuten und wurde mit einem donnernden Applaus von der Bühne geklatscht.











Der zweite Künstler an diesem Abend war Jürgen Adler. Er kommt aus Mannheim und ist Musiker, erzählte am Anfang, dass er früher in einer Band gespielt hatte, doch das es unüberbrückbare Differenzen gab und er nun alleine Musik mache, auf seinem Klavier. Ich muss ja zugeben, schlecht war er nicht, aber wirklich gut auch nicht und das merkte man an der Reaktion des Publikums, denn die klatschte eher halbherzig und zeigt eins zu eins was es dachte.



Genau so kann es bei Kunst gegen Bares ablaufen, die Künstler spüren direkt, ob sie gut ankommen oder nicht, denn das Publikum ist ehrlich und an diesem Abend besonders direkt.

Die dritten Künstler waren die Improfanen mit Kerstin, Frank und Petra.
Sie machten in den ihnen gestellten 10 Minuten Improvisationstheater, doch muss man wenn man ehrlich ist dazu sagen, sie waren ziemlich schlecht, sie hatten keine wirkliche “Übung“ drin, haben ihre selbst ausgedachten Szene auch nicht gut darstellen können und ich bin mir sicher, ich war nicht die einzige im Saal die das dachte.


Dazu kann ich aber den Mannheimern doch was sehr gutes empfehlen:
Jeden ersten Dienstag im Monat, gibt es richtig gutes Improvisationstheater im Nelson, im Jungbusch, der Eintritt ist frei, es ist lustig, es macht glücklich und jeder sollte sich das angucken!
Merkt euch: jeden ERSTEN Dienstag im Monat, im Nelson im Jungbusch. Hingehen und selbst davon überzeugen lassen.





Der vierte Künstler war aber eine gute Entschädigung für das Improvisationdisaster zuvor. Der Künstler heißt Aljoscha, kommt aus Hamburg und übersetzte russische Gedicht und Lieder ins Deutsche und trug sie auf seiner Gitarre vor. Er gehörte mit zu den besten und unterhaltsamsten Künstlern an diesem Abend, denn seine Liebeslieder waren nicht Herz brechend, sondern sehr böse und abgrundtief gemein, man könnte es auch als sehr schwarzen Humor bezeichnen, aber aufjedenfall ein Highlight an diesem Abend.


Nach Aljoscha gab es erst mal eine 15 Minütige Pause, die Menschen strömten raus, holten sich was zu trinken, wechselten ihr Geld, um die Künstler für ihre Mühen zu entlohnen und strahlten über beide Ohren.


Nach den 15 Minuten, strömten auch alle wieder glücklich und zufrieden, einige auch sehr erleichtert in den Kinosaal und nahmen Platz, um sich die nächsten vier sehr interessanten Künstler anzusehen.





Die folgende Künstlerin hieß Sarah, sie kam aus Mannheim, mag Giraffen und las einen Text aus ihrem Internetblog „ I fucked your boyfriend“ vor.
Sie wirkte etwas düster, sehr elegant und doch sehr pessimistisch der Welt gegenüber, ihr Text war sehr interessant aber auch sehr skurril. Auf eine sehr abgeklärte Art und Weise war sie sehr gut. Auch das Publikum wirkte nach diesem Text etwas irritiert aber entzückt und so wurde sie mit meinem lauten und impulsivem Klatschen von der Bühne gebeten.








Der nächste Künstler der auf die Bühne kam, gehörte zu unseren neutralen Nachbarn, mit seinem lustigen Dialekt erzählte er uns seine Lebensgeschichte. Michael Krähenbühl hieß er, kam aus der Schweiz und erklärte mit seinem schwitzer dütsch, was er dem Auto seines Bruders alles angetan hatte. Die Geschichte an sich war nicht so interessant, auch nicht besonders ausgeklügelt aber der Dialekt machte es so lustig, das die meisten im Publikum sich vor lachen kaum zurückhalten konnten. Mit einer großen Begeisterung klatschten ihn die Zuschauer nach seiner Geschichte von der Bühne.









Der vorletzte Künstler an diesem Abend, gehörte zu den besonders geheimnisvollen, er hat keinen Nachnamen, macht aber Liebesmusik der einprägenden Art.
Elis hieß er, bewaffnet mit seiner Gitarre kam er und sang über alltägliche Teenagerliebe und Teenagerliebesprobleme. Wie man die große Liebe seines Lebens kennenlernt, während sie dir auf die Schuhe kotzt, wie man die Traumfrau betrunken an eine Wand angelehnt sieht und wie man sich schüchtern und zurückhaltend denkt: „ Sie offenbarte mir ihr innerstes, ich muss sie wieder sehen.“ auch er gehörte zu den absoluten Entertainern des Abends, denn er erfüllte nicht die Erwartungen der anderen, sondern durchbrach die klassischen Liebesliederthemen.





Zu guter letzt kam ein weiterer Künstler aus Freiburg, auch ein Poetry Slammer. Simon Felix hieß er und beeindruckte die Zuschauer mit seinen Texten, mit seiner Wortwahl und mit seiner unglaublichen Gestik. Die 10 Minuten kamen einem vor wie sechs und die Leute verabschiedeten ihn mit einem tobenden Applaus.


Nachdem auch der letzte Künstler fertig war ging es an die Schweine, die Künstler wurden nochmal auf die Bühne geholt und noch einmal vorgestellt und das Publikum zückte sein Kleingeld und fing an die einzelnen Schweine zu stopfen. Die Kapitalistensau des Abends war Simon Felix, der zum Schluss nochmal zusammen mir Maria Xenia einen gemeinsamen Text vorlas.


Glücklich und zufrieden verließen die Massen das Kino und gingen nach Hause. Kunst gegen Bares ist eine Plattform die genutzt werden sollte, eine Show die man sich unbedingt ansehen sollte und in Zukunft in Mannheim ein Pflichttermin.


Nähere Informationen zu diesem Event findet ihr auf Facebook:
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